Die Homepage des samtroten Sonderkäfers

1984 - 2014  30 Jahre

VW Käfer

Sondermodell

"Samtroter Sonderkäfer"

 

Die Geschichte des samtroten Sonderkäfers von 1984

Der VW Käfer gilt als das berühmteste deutsche Automobil, ist längst ein Kult-Objekt und steht als Sinnbild für Wirtschaftswunder und Wiederaufbau der Bundesrepublik. Generationen fuhren in ihm, liebten und pflegten ihn, denn kaum ein anderer Wagen löst so viele Emotionen und Erinnerungen in uns aus. Der Käfer hat Geschichte geschrieben und erfreut sich auch heute noch großer Beliebtheit unter Oldtimer-Freunden. Auch wenn Karosserie und Fahrwerk dieser genialen Konstruktion ständig den steigenden Ansprüchen angepasst wurden, büßte der Käfer niemals seine ursprüngliche Originalität ein.

In der fast siebzigjährigen Produktionszeit wurden ca. 21,5 Millionen Käfer  gebaut, bis im Sommer 2003 die Produktion endgültig eingestellt wurde. Unter ihnen waren einige Käfer-Sondermodelle, die sich durch ihre Farbe,  Beklebung, Ausstattung und eine limitierte Stückzahl von der Masse der Käfer-Produktion abheben sollten, um bestimmte Käufergruppen anzusprechen und die Verkaufszahlen anzuheben. Eines dieser Sondermodelle war der  "Samtrote Sonderkäfer", dessen Geschichte in den folgenden Zeilen näher beschrieben werden soll:

Die letzten offiziellen Käfer (1978-1985) 

Am 19.Januar 1978 lief im Volkswagen-Werk Emden der letzte Käfer aus deutscher Produktion vom Band ( nur bei Karmann wurden noch bis 1980 Cabrio-Käfer produziert). VW zog sich mit den neuen Modellen Golf, Passat, Polo & Co. Stück für Stück komplett aus dem luftgekühlten Motorenbereich zurück. Doch die Nachfrage nach dem Ur-Volkswagen war noch vorhanden. Besonders Fahranfänger und "Ewig-Käfer-Fahrer" verlangten weiterhin nach dem bewährten und preiswerten Wagen. Alle für den deutschen und europäischen Markt benötigten Käfer wurden nun aus dem Volkswagen-Werk Puebla in Mexiko importiert und waren extra auf den europäischen Geschmack und die Verhältnisse hier abgestimmt.

Bereits 1977 hatte man zahlreiche deutsche VW-Mitarbeiter, die mit der Käfer-Produktion vertraut waren, nach Mexiko geschickt, um die dortigen Mitarbeiter auf die künftigen europäischen Ansprüche und die Änderungen gegenüber der mexikanischen Inlandsproduktion zu schulen. In Puebla lief der Käfer von einem besonderen Export-Band, das nicht nur auf die ständig wechselnden Sonderausstattungen eingestellt war, sondern auch einer zusätzlichen Qualitätskontrolle unterlag. 

Die Geburtsstätte des Käfers lag zwar von nun an nur noch im fernen Mexiko, aber dennoch war auch jetzt noch nicht Schluss mit deutschen Arbeiten am VW Käfer; denn die Fahrzeuge wurden per Schiff von Mexiko in den Emdener Hafen verfrachtet, wo sie nach ihrer Ankunft im dortigen Volkswagenwerk von exakt jenen VW-Arbeitern nochmals einer genauen Eingangsprüfung, Endkontrolle und Schlussaufbereitung unterzogen wurden, die ehedem die heimischen Käfer am Emdener Fliessband zusammengeschraubt  hatten. Die Kundendienstwerkstatt Emden führte anschliessend notwendige Umbauten an den Fahrzeugen in die jeweiligen länderspezifischen Ausstattungen für Europa durch. Dort wurden auch eventuelle Mehrausstattungen, wie Radios, Kopfstützen und Radzierringe montiert. Viele in Mexiko verbaute Käfer-Teile stammten ebenfalls noch aus Deutschland und trugen nach wie vor das Siegel "Made in Germany".

Auch mit der Kreativität rund um den VW Käfer war es trotz des deutschen Produktionstopps noch längst nicht vorbei, denn im Frühjahr 1982 wurde bei Volkswagen in Wolfsburg ein "Team für Käfer-Aktionsmodelle", zur Konzeption und Koordinierung der zahlreichen Käfer-Sondermodelle der 1980er Jahre gebildet. Es befasste sich beispielsweise mit Ausstattung und Styling für diese speziellen Käfer-Angebote, plante die Absatzzahlen und trug Sorge für die Abwicklung der Produktion und des Vertriebs.

Diese einzelnen Käfer-Sondermodelle erhielten ihre unterschiedliche Fahrzeugbeklebung (Zierstreifen, Muster, Plaketten) ebenfalls aus Deutschland. Diese Beklebung wurde extra für das jeweilige Sondermodell von einer deutschen Spezialfirma angefertigt. 

Genaugenommen waren die Käfer von 1978, bis zum offiziellen Verkaufsschluss in Deutschland 1985, somit eine deutsch-mexikanische Co-Produktion.

Ausstattung und Merkmale
 

Der Mexiko-Käfer bis 1985 wurde als 1200 L (Luxus) mit Pendel-/ Kurbellenkerachse, Ausgleichsfeder und dem bewährten 34-PS-Boxermotor (in Mexiko gab es ihn bereits nur noch in einer stärkeren Motorisierung mit 1,6 Liter Hubraum und 46 DIN-PS) nach Deutschland gebracht und entsprach in seinem Grundkonzept etwa dem deutschen Modelljahr 1968.

Er besaß folgende Ausstattung/ Merkmale:

  • große Rücklichter ("Elefantenfüße"), wie das deutsche Modell seit 1972
  • kleinere, wie bis 1971 beim deutschen Modell übliche, beheizbare Heckscheibe
  • mehr Innenhimmel im Fahrzeug aus weißem Kunstleder, mit verkleideter C-Säule
  • Belüftungsschlitze in der Kofferraumhaube, ohne VW-Emblem
  • Zwangsentlüftung hinten ("Nieren")
  • pneumatischer Waschwasserbehälter (ab 1981 mit elektrischer Pumpe)
  • Stoßstangen ("Eisenbahnschienen") mit Blinkern vorn, wie das deutsche Modell seit 1974
  • 3-Bein-Sitze wie beim  Käfer 1303
  • Abblendbarer Innenspiegel 
  • Zweikreis-Bremssystem
  • sämtliche Beschriftung (Aufkleber, Farbnummer,etc.) am Fahrzeug in deutscher Sprache
  • Gleichstromlichtmaschine
  • Flaches Abschlussblech über Schalldämpfer, wie das deutsche Modell bis 1974
  • Entlüftungsschlitze in der Motorhaube (diese entfallen 1981)
  • hydraulische Trommelbremsen vorne und hinten
  • Kopfstützen und 3-Punkt-Sicherheitsgurte vorne
  • statische Beckengurte hinten (ab Modelljahr 1980)
  • Sicherheitslenkrad mit großer Prallplatte (wie das deutsche Modell seit 1971) mit Wolfsburg-Wappen
  • Kunststoff-Innenausstattung mit Armaturenbrett-Polsterung
  • ca.70% der verarbeiteten Käfer-Teile wurden in Mexiko produziert, 30% stammten weiterhin aus Deutschland (Bosch, Hella, Continental, VDO, Solex, Secu /Repa-Sicherheitsgurte, MANN-Filter, sowie die Beklebung einzelner Sondermodelle).

In den 1980er Jahren war der Käfer, obwohl rund doppelt so teuer wie in den 1950er Jahren, noch immer eines der preiswertesten und qualitativ besten vollwertigen Automobile auf dem deutschen Markt. Dennoch konnten im Schnitt nicht mehr als 10 000 Käfer im Bundesgebiet abgesetzt werden. Um den Markt zu beleben und neue Käuferschichten anzusprechen, griff VW mit dem "Team für Käfer-Aktionsmodelle" (ab 1982) auf eine Methode zurück, die schon in den frühen 1970er-Jahren einigen Erfolg gebracht hatte; die Einführung von Sondermodellen neben dem Serienkäfer. Mit immer neuen, originell ausstaffierten Sondermodellen versuchte VW den Käfer attraktiv zu halten. 

1981: Silver Bug (zur Feier des 20.Millionsten Käfers)

1982: Jeans-Käfer und Special-Bug

1983: Aubergine- Käfer, Eisblauer-Käfer, Alpinweiß-Käfer

1984 (erstes Halbjahr): Sunnybug

 

Der Nostalgie-Käfer

Im Juni des Jahres 1984 stellte die Volkswagen AG dann schließlich der Öffentlichkeit den samtroten Sonderkäfer vor. Dieser spezielle Käfer war von  dem VW-Team für Käfer-Aktionsmodelle, zu welchem auch die  VW-Designerin Gunhild Liljequist zählte, im Frühjahr 1984 unter dem Arbeitstitel "Nostalgie-Käfer" konzipiert worden. Ausgehend von der blau-roten Sitzausstattung wurde das ganze Auto dann passend dazu gestaltet. Der gesamte Entwurf des Samtroten geht auf Frau Liljequist zurück, der man für dieses Projekt absolut freie Hand ließ. Innerhalb einer Woche hatte sie die Innen- und Aussenausstattung des Wagens designed. Frau Liljequists Liebe zur Porzellanmalerei verdankt der Samtrote auch seine typischen Blumen-Ornamente auf den Flanken. Ohne jegliche Änderung wurde ihr Vorschlag schließlich akzeptiert und konnte somit in die Produktion gehen.

 

Der Wagen war offiziell nur in West-Deutschland erhältlich und wurde ausschließlich für diesen Markt produziert. Sein Preis betrug DM 9.990,- ab Werk ohne Überführungskosten. Mit diesem nostalgischen Modell sollten vor allem ältere Käfer-Stammkunden angesprochen werden, die durch dieses Sondermodell dem Charme und Schick vergangener Zeiten erliegen sollten. Er wurde parallel zum Sondermodell Sunny-Bug angeboten und konnte ab dem 13.August 1984 bei den Volkswagen-Händlern abgeholt werden.

Den Samtroten Sonderkäfer zeichnete gegenüber dem Serienkäfer aus:

  • seine wohlige samtrote Lackierung (Farbcode LG3C)

  • rote Velours-Innenausstattung mit blauen Streifen und mauritiusblauen Kunstleder

 

 

  • Tür-/Seitenverkleidung in blauem Kunstleder
  • blauer Velours-Innenteppich
  • zwei seitliche blaue Zierstreifen in Gürtelhöhe unterhalb der Chrom-Zierleiste

  • zwei seitliche blaue Zierstreifen oberhalb der Trittbretter, wovon der obere Streifen zu zwei Blattmotiven zusammenläuft

  • zahlreiche Chromzierleisten am Fahrzeug (Scheibendichtungen, seitlich Gürtelhöhe, Trittbretter, Kofferraumhaube)
  • verchromte Auspuffendrohre, Griffe, Stoßfänger, Radkappen und Radzierringe

  • limitierte Stückzahl
  • eigene Werbekampagne (siehe Samtrote Werbung)
  • eigenes Verkaufsprospekt

 

  • kein Radio serienmäßig (Radio "Braunschweig" musste als Extra-Ausstattung geordert werden)
  • der Samtrote Sonderkäfer war offiziell nur in West-Deutschland erhältlich.

 

Im September 1984 wurde der Preis für einen Samtroten-Käfer, der sich bis dahin gut verkaufen ließ, auf DM 10175,- erhöht, im November sogar auf DM 10525,-. Er wurde somit der bis dahin teuerste serienmäßige 1200er Käfer, was sich schließlich auch in schleppenden Absatzzahlen wiederspiegelte. In 1984 konnten etwa 2600 Samtrote- Käfer verkauft werden und es dauerte noch etwa bis Mitte 1985 bevor alle der knapp 3000 produzierten samtroten Sonderkäfer verkauft waren. 

Wie viele Samtrote es heute noch im Originalzustand auf deutschen Straßen gibt, lässt sich nicht feststellen. Hin und wieder wird ein Samtroter im Internet zum Verkauf angeboten und auch auf Käfer-Treffen begegnet man noch vereinzelten Exemplaren.

Die Bodengruppe (mit werksmäßigem Unterbodenschutz, Hohlraum-konservierung im unteren Karosseriebereich und als Besonderheit beim Samtroten, sogar einer großzügigen Lackierung an Radkästen und Bodengruppe in Wagenfarbe), das Häuschen und die Innenausstattung des Samtroten haben sich im Allgemeinen als sehr robust erwiesen und zeigen bei etwas Pflege auch nach über 30 Jahren noch kaum Grund zur Sorge. Man sollte sich aber gerade bei der speziellen Innenausstattung des Materialwertes bewußt sein; Ersatz ist nämlich durch die limitierte Stückzahl dieses Käfers praktisch nicht mehr zu bekommen. Vorsicht ist beim Innenteppich geboten, der bei starker UV-Sonneneinstrahlung ausbleicht. Der Lack des Samtroten-Käfers verlangt ebenfalls, wie rote Lackierungen allgemein, nach einem regelmäßigen Lackschutz (Wachs, Politur, Konservierung), um  nicht auszubleichen und seinen Farbglanz zu erhalten.

Der Samtrote-Sonderkäfer war das vorletzte Käfer-Sondermodell, welches von Volkswagen in West-Deutschland zum Verkauf angeboten wurde.   

Der steigende US-Dollar-Kurs verteuerte den Preis des Käfers in 1985 ständig und VW verpasste es, den Wagen als bleifrei- und katalysator-tauglich freizugeben. Im ersten Halbjahr 1985 gingen deshalb die Käfer-Verkaufszahlen (nur noch 2325 verkaufte Exemplare) in Deutschland weiter zurück und erwiesen sich somit für das VW-Werk, welches den Käfer bereits seit einiger Zeit zur Erfüllung von mexikanischen Exportquoten preislich subventionierte, als unwirtschaftlich und untragbar. Die Werksleitung entschied deshalb den Verkauf des Ur-Volkswagens in Deutschland und Europa endgültig einzustellen. Am 12.August 1985 kam schließlich das letzte Schiff mit Käfern aus Mexiko in der Bundesrepublik an, welches am 25. Juli 1985 feierlich in Mexiko verabschiedet wurde. Als sich die Luke des Schiffes hinter den 3000 Volkswagen schloss, schwenkten die mexikanischen VW-Arbeiter zum Abschied ein Transparent mit der Aufschrift: "Der letzte für Deutschland produzierte Käfer aus Mexiko- Desde Mexico con Amor (Aus Mexiko mit Liebe)". Somit endete mit dem Sondermodell „50 Jahre Käfer“ (meist „Jubiläumskäfer“ genannt), einer letzten Lieferung für die Bundeswehr und einer Feierstunde in Wolfsburg am 17.Oktober 1985 der offizielle Import von Mexiko-Käfern seitens VW nach Deutschland. Der Käfer verschwand damit endgültig aus den Verkaufsprospekten und Preislisten von Volkswagen in Europa. Die bekannte Werbeagentur Doyle, Dane und Bernbach (DDB), die über Jahrzehnte prägende Werbung für den Käfer gemacht hatte, titelte letztmalig: " Es hat Spaß gemacht." Ein großes Kapitel deutscher Automobil-Geschichte war damit beendet, der Käfer aber sollte weiterleben....

Auf dem süd-amerikanischen Markt wurde er weiterproduziert und verkauft. Einige Jahre später gelang es privaten Importeuren zahlreiche Mexiko-Käfer auf eigene Faust und ohne Segen des Volkswagen-Werkes nach Deutschland zu importieren. Die teilweise starke Rostanfälligkeit (da besondere Konservierung für das warme süd-amerikanische Klima nicht erforderlich war), das schmucklose Aussehen (ohne jegliche Chromverzierung) und das wohl daraus resultierende schlechte Image dieser privat importierten Käfer aus Mexiko, sollte den "letzten offiziellen Käfern " in Deutschland allerdings nicht zur Last gelegt werden.

Die offiziell für West-Deutschland bestimmten Mexiko-Käfer bis 1985 beginnen sich auch unter Oldtimer-Fans immer größerer Beliebtheit  zu erfreuen. Und spätestens seit dem endgültigen Käfer-Produktions-Stopp im Sommer 2003, sollte jedem klar sein, dass auch der Wert seines Käfers aus Mexiko ständig steigen dürfte. Wer noch zudem das Glück hat, eines der raren Sondermodelle im Original-Zustand zu fahren, darf sich sicher schätzen, ein Stück Mobiles-Kuturgut und Automobil-Geschichte zu besitzen, welches mit Sicherheit in den kommenden Jahren zum begehrten Klassiker aufsteigen wird.... 

 

Text und Copyright: Marco Strohmeier

Verwendete Literatur und Quellenverzeichnis

 

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Über ein Feedback würde ich mich freuen. Bei Interesse könnte auch eine "Samtrote-Datei" aller noch erfassbaren Samtroten erstellt werden. Bitte einfach melden...

Regelmäßige Fortsetzung / Erweiterung folgt.....



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